Warum denkst du gerade jetzt an ein Krokodil?
Es gab einmal einen berühmten Zauberer, der Steine in Gold, Wasser in Wein, ein Tier in ein anderes verwandeln konnte. Ein König wollte von ihm lernen, wie das geht, und scheiterte an einer einzigen Bedingung.
Die Geschichte vom Zauberer und dem Krokodil
Der König, der von den Wundern des Zauberers gehört hatte, lud ihn in seinen Palast ein und fragte ihn, ob er ihm die Magie beibringen könne. Der Zauberer war einverstanden, stellte aber eine Bedingung: Der König dürfe nie an Krokodile denken. Der König erklärte sich bereit, jede Bedingung zu akzeptieren, schließlich hatte er noch nie besonders viel an Krokodile gedacht.
Von diesem Moment an konnte der König an fast nichts anderes mehr denken als an Krokodile. Er lernte das Zaubern nie.
Denk jetzt bitte nicht an eine Katze. Woran denkst du gerade?
Warum das Unbewusste das Wort NICHT nicht kennt
Das Unbewusste funktioniert anders als das Bewusstsein. Das Bewusstsein wird von Vernunft, Willen und logischem Denken gesteuert und kontrolliert. Das Unbewusste ist nicht direkt zugänglich und kann über Träume und Assoziationen erschlossen werden, es denkt wortwörtlich, bildlich, und kennt das Wort NICHT nicht. Der Auftrag, nicht an eine Katze zu denken, wird als Befehl genommen, sich eine Katze bildlich vorzustellen.
So funktioniert das auch mit Ängsten und Sorgen. Wenn du dir auch nur in der Vorstellung eine Katastrophe ausmalst, wirst du dich auch so fühlen. Für das Unbewusste sind Vorstellung und tatsächliches Erlebnis im Grund dasselbe, elektrochemische Prozesse im Gehirn.
Dieses Phänomen wurde in kontrollierten Experimenten bestätigt, dass ausgerechnet der Versuch, einen Gedanken zu unterdrücken, zu dessen verstärkter Präsenz führt. Teilnehmende, die aufgefordert wurden, nicht an einen weißen Bären zu denken, dachten anschließend häufiger daran als Teilnehmende, die frei denken durften. Eine Sammelauswertung mehrerer solcher Studien bestätigte diesen Effekt über verschiedene Gedankeninhalte hinweg und zeigte zugleich, dass gezielte Ablenkung oder das bewusste Akzeptieren des Gedankens deutlich zuverlässiger wirken als der reine Unterdrückungsversuch.
Wegner, D. M. (1994), Ironic Processes of Mental Control. Psychological Review, 101(1).; Sammelauswertung zu Gedankenunterdrückung, Clinical Psychology Review (2014).
Du kannst diese Funktionsweise nutzbringend anwenden, indem du dir positive Bilder vorstellst (Visualisieren) oder positive Sätze vorsagst (Autosuggestion), statt dich auf das zu konzentrieren, was du vermeiden willst.
Unterstützungssysteme: Mentoren an deiner Seite
Du kannst deine Erfolgschancen beträchtlich steigern, wenn du Menschen findest, die dich bei einer Veränderung unterstützen. Diese Wegbegleiter, Mentoren, werden dich stützen und ermutigen. Als Mentor käme ein Mensch in Frage, der deine innere Stimme hört, bevor du sie selbst hörst, der dir bei Entscheidungen und bei der Zielfindung behilflich ist, der dein Selbstvertrauen stärkt, wenn du dir die Verwirklichung von Zielen nicht zutraust, und der dir den richtigen Weg weist, dich begleitet und bei Entscheidungen hilft.
| Art der Unterstützung | Mentor |
|---|---|
| Ermutigung | |
| Information | |
| Fachwissen |
Eine umfangreiche Sammelauswertung zahlreicher Mentoring-Studien zeigt, dass Menschen mit Mentoring-Erfahrung von weniger Stress und weniger Konflikten zwischen Beruf und Privatleben berichten und ein stärkeres Vertrauen entwickeln, in ihrer Rolle erfolgreich zu sein, vor allem durch die psychosoziale Unterstützung der Mentorin oder des Mentors. Über sehr unterschiedliche Programme und Zielgruppen hinweg fallen die gemessenen Effekte im Schnitt allerdings eher moderat aus, ein Mentor ersetzt also keine eigene Anstrengung, kann sie aber wirksam ergänzen.
Eby, L. T. et al. (2013), An Interdisciplinary Meta-Analysis of the Potential Antecedents, Correlates, and Consequences of Protégé Perceptions of Mentoring. Personnel Psychology, 66(2).
Neben einem Netz persönlicher Unterstützung ist es wichtig, ein Belohnungssystem für dich selbst zu erstellen, mit dem du dich für erreichte Teilziele belohnst, mit einer Konzertaufführung, einem Essen mit Freunden, einer Kurzreise oder einem erholsamen Wochenende. Erfolgserlebnisse sind wichtig und stellen einen starken Antriebsfaktor dar, weiterzumachen und nicht aufzugeben.
Die Bedeutung des richtigen Zeitpunkts
Wir alle entwickeln uns nach unserem ganz eigenen Rhythmus, und dabei unterscheiden wir uns in unserer sozialen, kognitiven und emotionalen Entwicklung. Wir folgen sozusagen einer inneren Uhr und beginnen mit Veränderungen in unserem Leben, wenn wir das Gefühl haben, dass die Zeit dafür reif ist.
Das bedeutet, dass es keinen objektiv richtigen oder falschen Zeitpunkt gibt, mit Veränderungen zu beginnen. Manche Menschen entwickeln sich schnell und machen wichtige Erfahrungen, treffen wichtige Entscheidungen schon früh in ihrem Leben. Andere erlangen erst spät den Erfolg, weil sie erst zu einem späteren Zeitpunkt anfangen, ihre Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Wachstum, Reifung und persönliche Entwicklung folgen eigenen Gesetzmäßigkeiten, und jeder Mensch bewegt sich dabei in seinem ureigenen und ihm gemäßen Rhythmus.
Ein einflussreicher Grundsatz der Entwicklungspsychologie besagt, dass Entwicklung über die gesamte Lebensspanne verläuft, in viele Richtungen zugleich verlaufen kann und dabei ein hohes Maß an Formbarkeit behält. Es gibt demnach keine feste Altersnorm, ab der Entwicklung abgeschlossen wäre, unterschiedliche Menschen durchlaufen dieselben Entwicklungsaufgaben zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten, ohne dass das eine besser oder schlechter wäre als das andere.
Baltes, P. B. (1987), Theoretical Propositions of Life-Span Developmental Psychology. Developmental Psychology, 23(5).
Gefühl der Reife → Veränderung beginnt → eigener Rhythmus, kein objektiver Zeitplan → mehr Zeit und Möglichkeiten durch gestiegene Lebenserwartung
Früh oder spät ist kein Werturteil, sondern nur eine Beschreibung deines eigenen Tempos.
Dein Unbewusstes hört nicht auf das Wort Nicht, richte deine Gedanken deshalb lieber aktiv auf das, was du willst, statt auf das, was du vermeiden willst. Ein guter Mentor kann dich dabei begleiten, aber die Entscheidung, wann die Zeit für dich reif ist, triffst du selbst, nach deinem eigenen Rhythmus.
Woran denkst du gerade häufiger, als dir lieb ist, obwohl du es eigentlich vermeiden wolltest?
Wissenschaftlicher Hintergrund
- Wegner, D. M. (1994): Ironic Processes of Mental Control. Psychological Review, 101(1). Grundlagenarbeit zum sogenannten Weißer-Bär-Effekt, wonach der Versuch der Gedankenunterdrückung den unerwünschten Gedanken paradoxerweise verstärkt.
- Sammelauswertung zur Wirksamkeit von Gedankenunterdrückung und alternativen Strategien, Clinical Psychology Review (2014).
- Eby, L. T., Allen, T. D., Hoffman, B. J. et al. (2013): An Interdisciplinary Meta-Analysis of the Potential Antecedents, Correlates, and Consequences of Protégé Perceptions of Mentoring. Personnel Psychology, 66(2). Zeigt moderate, aber konsistente positive Effekte von Mentoring auf Stresserleben und berufliche Selbstwirksamkeit.
- Baltes, P. B. (1987): Theoretical Propositions of Life-Span Developmental Psychology: On the Dynamics Between Growth and Decline. Developmental Psychology, 23(5). Grundlegende Arbeit zur lebenslangen, individuell unterschiedlich verlaufenden menschlichen Entwicklung.
