Warum scheitern die meisten Vorsätze schon im Februar?
Der römische Philosoph Seneca sagte: Unsere Pläne scheitern, wenn wir kein Ziel haben. Wenn ein Mann den Hafen nicht kennt, den er ansteuert, dann ist kein Wind der richtige.
Warum du nicht alles haben kannst
Eine Erkenntnis in unserem Leben ist, dass man nicht alles haben kann. Um aber möglichst viel von dem, was du dir wünschst, in deinem Leben verwirklichen zu können, musst du klare Prioritäten setzen. Für dein persönliches Wachstum und deine Weiterentwicklung ist es von größter Wichtigkeit, deine Wertvorstellungen zunächst zu klären und in einem weiteren Schritt Prioritäten zu setzen.
Lass deine Werte in die Planung deiner Aktivitäten einfließen. Dann handelst du selbstbestimmt und erledigst die Dinge, die dir wichtig sind. Fremdbestimmung ist dadurch gekennzeichnet, dass man nur auf Ereignisse reagiert, ein amerikanischer Top-Manager bezeichnete diesen Umstand als „Tyrannei des Hier und Heute“.
Was ein Ziel überhaupt ausmacht
Jede Veränderung, im Beruf und im Privatleben, beginnt mit der Festlegung von Zielen. Ein Ziel ist die Vorstellung darüber, was du erreichen willst, ein in der Zukunft liegender, angestrebter Zustand mit eindeutiger Beschreibung. Ziele setzen bedeutet, Wünsche als konkrete Absichten zu formulieren und das eigene Handeln auf die Erreichung des Ziels auszurichten. Ziele sind aber auch ein Maßstab zur Beurteilung von Leistungen, deshalb ist es wichtig, klare und eindeutige Kriterien festzulegen, wann ein Ziel erreicht ist.
Zielinhalt: Was soll erreicht werden? Zielausmaß: Was muss erreicht werden? Zieldauer: Wann muss es erreicht werden? Zweck, Sinn: Wozu tut man es? Erfolgskriterium: Woran kann man das Ergebnis messen?
Wer seine Ziele kennt, handelt selbstbestimmt und kommt dort an, wo er hin will. Wer seine Ziele nicht kennt, wird sein Ziel vielleicht nie erreichen. Klare Ziele mobilisieren Energien, bündeln Kräfte in eine Richtung, steigern die Motivation und erleichtern Entscheidungen.
Locke, E. A. & Latham, G. P. (1990), A Theory of Goal Setting and Task Performance. Prentice Hall.
Sechs Arten, ein Ziel zu formulieren
Ein vages Ziel wie „ein gesünderes Leben führen wollen“ lässt sich schwer erreichen. Wird es in kleinere Teilziele zerlegt, etwa „drei Mal wöchentlich eine halbe Stunde joggen“ oder „mehr Obst essen“, steigt die Erfolgschance deutlich.
Ziele, die du dir selbst setzt, werden meist mit höherer Wahrscheinlichkeit erreicht als Ziele, die dir von außen auferlegt werden. Ein Kind, das sich selbst das Ziel gesetzt hat, Konzertpianist zu werden, wird dieses Vorhaben eher umsetzen als ein Kind, dessen ehrgeizige Eltern es zum Klavierunterricht zwingen.
Ist dein Ziel, fünf Kilo abzunehmen, lässt sich der Erfolg leicht feststellen. Ist dein Ziel, mehr Geduld und Toleranz zu entwickeln, ist eine Veränderung viel schwerer quantitativ zu erfassen.
Ein Hochzeitsfest zu organisieren ist ein situationsrelevantes Ziel. Beruflich weiterkommen zu wollen ist ein persönlich relevantes Ziel, das eine Vielzahl von Situationen über einen längeren Zeitraum leitet.
Weit entfernte Ziele solltest du stets im Auge behalten, sie aber in eine Menge kleiner, konkreter Teilschritte aufsplittern, die leichter erreichbar sind.
„Die Zusammenarbeit in der Abteilung verbessern“ ist ein offenes Ziel, unklar formuliert, ohne festgelegten Zeitraum. „Jeden Mittwoch und Freitag findet zwischen acht und neun Uhr eine Teamsitzung statt“ ist ein geschlossenes Ziel, der Weg dorthin lässt sich um vieles leichter planen.
Dass selbstgesetzte Ziele wirksamer sind als fremdgesetzte, gilt seit Jahrzehnten als gesichert. Eine aktuelle Untersuchung greift diese Frage in einem neuen Kontext auf und zeigt, dass Ziele, die zwar formal alle Gütekriterien der Zielsetzungstheorie erfüllen, aber von einer KI statt von der Person selbst formuliert wurden, deutlich weniger Eigenverantwortung und Motivation auslösen. Nicht nur die Qualität eines Ziels entscheidet demnach über seine Wirkung, sondern auch, wessen Ziel es tatsächlich ist.
Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002), Building a Practically Useful Theory of Goal Setting and Task Motivation. American Psychologist, 57(9).; aktuelle Untersuchung zu KI-formulierten Zielen und Zielbindung (2025).
Der Weg zum Ziel: Schritt für Schritt
Der Weg zum Ziel ist in einer ganz bestimmten Weise strukturiert. Zuerst muss ein Ziel gefunden und festgelegt werden: „Ich möchte mir ein Haus bauen.“ Der nächste Schritt besteht darin, den Zielinhalt zu definieren, danach werden Informationen gesammelt, es wird geklärt, was genau getan werden muss, und schließlich folgt die Detailplanung mit einem realistischen zeitlichen Rahmen für jeden Einzelschritt.
Ziel finden → Zielinhalt definieren → Informationen sammeln → Handlungsschritte klären → Detailplanung mit Zeitrahmen → Zwischenergebnisse überprüfen
Ohne Zeitlimit besteht die Gefahr der Verzettelung.
Bei utopischen Zielen, die unter den gegebenen Umständen unmöglich zu erreichen sind, ist das Scheitern bereits vorprogrammiert. Wer seine Erwartungen zu hoch steckt, erhöht die Wahrscheinlichkeit des Misserfolgs.
Zwischenziele geben Mut
Die Aufteilung eines Globalziels in kleinere Zwischenziele erlaubt es, Teilerfolge zu verbuchen, die motivationsfördernd sind. Was du noch vor dir hast, wird mit jedem erreichten Teilschritt weniger und überschaubarer. Das gibt Mut weiterzumachen und stärkt Selbstvertrauen und Zuversicht. Es ist sinnvoll, immer wieder zu überprüfen, ob die einmal gewählte Art der Zielerreichung beibehalten werden sollte oder ob eine Veränderung notwendig geworden ist.
Werte als Grundlage jeder Zielklärung
Auf der Suche nach einem Ziel werden verschiedene Zielideen auftauchen. Dabei wird man auch auf mögliche unerwünschte Folgen von Zielen stoßen, oder es können Zielkonflikte entstehen, wenn ein Ziel sowohl mit positiven als auch negativen Folgen verbunden ist. Deshalb ist es sinnvoll, eine Ziel-Wert-Klärung vorzunehmen.
Werte drücken aus, was dir wichtig ist. Sie bilden in Form von Überzeugungen den Hintergrund für Entscheidungen und Ziele, sind aber im Gegensatz zu Zielen nicht unmittelbar handlungssteuernd. Ziele dagegen sind Vorstellungen von einem Endergebnis, das in der Zukunft liegt, und sie sind unmittelbar handlungssteuernd. Entscheidungen bilden das Zwischenglied zwischen Werten und Zielen.
| Meine Werte | Meine Ziele |
|---|---|
| Beruf | Beruf |
| Beziehungen | Beziehungen |
| Lebensziele | Lebensziele |
Ein Beispiel: Der Wert berufliche Entwicklung könnte mit dem Ziel verbunden sein, einen Fernkurs zu absolvieren. Überlege bei jedem deiner wichtigsten Werte, welches konkrete Ziel du damit verbindest.
Die meisten Vorsätze scheitern nicht, weil sie zu ambitioniert sind, sondern weil sie zu vage bleiben, niemandem wirklich gehören oder nicht in überschaubare Zwischenziele zerlegt wurden.
Ein Ziel, das aus deinen eigenen Werten hervorgeht, konkret formuliert und in Etappen geplant ist, hat eine ganz andere Chance als ein guter, aber unpräziser Wunsch.
Welches deiner aktuellen Ziele ist eigentlich nur ein vager Wunsch, der noch in konkrete Teilschritte zerlegt werden müsste?
Wissenschaftlicher Hintergrund
- Locke, E. A. & Latham, G. P. (1990): A Theory of Goal Setting and Task Performance. Prentice Hall. Grundlagenwerk der Zielsetzungstheorie, zeigt, dass spezifische, herausfordernde Ziele die Leistung deutlich stärker steigern als vage oder leichte Ziele.
- Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002): Building a Practically Useful Theory of Goal Setting and Task Motivation. American Psychologist, 57(9). Weiterentwicklung der Theorie inklusive der Rolle von Zielbindung, Feedback und Selbstwirksamkeit.
- Bandura, A. & Schunk, D. H. (1981): Cultivating Competence, Self-Efficacy, and Intrinsic Interest through Proximal Self-Motivation. Journal of Personality and Social Psychology, 41(3). Zeigt, dass nahe, konkrete Zwischenziele Selbstwirksamkeit und Motivation stärker fördern als rein langfristige Ziele.
- Aktuelle Untersuchung zu KI-formulierten Zielen und Zielbindung (2025): Zeigt, dass formal gut konstruierte, aber nicht selbst formulierte Ziele deutlich weniger Eigenverantwortung und Motivation auslösen als selbstgesetzte Ziele.

