Wie viel Energie kosten dich Denken, Fühlen und Handeln wirklich?
Nicht nur Worte formen, wer wir sind. Auch nonverbale Signale, ein ermutigendes Kopfnicken oder eine wegwerfende Handbewegung, hatten schon in der Kindheit große Ausdruckskraft und eine eindeutige Wirkung.
Wie das Bild von sich selbst entsteht
Aus der Vielzahl von Reaktionen des sozialen Umfelds beginnt ein Kind sich nach und nach das Bild von sich selbst zu formen. Dieses Bild wird positiv und selbstbewusst sein, wenn der überwiegende Teil der eintreffenden Zuwendungen ermutigend und wohlwollend war. Es wird negativ ausfallen, wenn die Rückmeldungen der Umwelt vorwiegend tadelnd, strafend und entmutigend waren.
Die Einstellung sich selbst gegenüber wird also schon in frühen Jahren festgelegt und als Selbstbild mitgenommen. Sie ist sehr maßgeblich am Aufbau einer bestimmten Lebensbewältigungsstrategie beteiligt und beeinflusst damit ein Leben lang das Denken, Fühlen und Handeln eines Menschen.
Die in der Vergangenheit entstandenen Verhaltensmuster sind keine unabänderlichen Größen. Sie können durch Selbsterfahrung und persönliche Entwicklung verändert werden.
Psychoökonomie: Die Balance zwischen Denken, Fühlen und Handeln
In einer Zeit, die von Veränderungen in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt geprägt ist, wird es für jeden schwieriger, den richtigen Platz zu finden und den eigenen Stellenwert innerhalb der Gesellschaft zu kennen. Ein wohlausgewogenes Verhältnis zwischen Denken, Fühlen und Handeln herzustellen, ist eines der vorrangigen Ziele der persönlichen Entwicklung und Entfaltung.
Die Balance zwischen eigenen Wünschen, Zielen und Rollen ist eine Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Entscheidend ist dabei, welchen Einfluss diese drei Aspekte aufeinander haben und wie sie den Energiehaushalt eines Menschen beeinflussen, indem sie Energie spenden oder Energie abziehen.
Ein ökonomischer Umgang mit den eigenen Ressourcen ist ein Garant für mehr Wohlbefinden und für mehr Erfolg. Genau darum geht es in der Psychoökonomie: darum, wie Denken, Fühlen und Handeln als Energiequellen oder Energiefresser wirken.
Die drei Ebenen des Erlebens
Denken, Fühlen und Handeln sind die Dimensionen des menschlichen Erlebens, die einander wechselseitig beeinflussen. Körperfunktionen und Körperreaktionen kann man verstehen und wissenschaftlich erfassen. Anders ist es mit den Gedanken, die uns durch den Kopf gehen und unser Handeln und Fühlen mitbestimmen.
Auch Gefühle sind nicht exakt fassbar, weil man im Gefühlsbereich weitestgehend auf Interpretation, Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung von Personen angewiesen ist.
Denken ↔ Fühlen ↔ Handeln → wechselseitige Beeinflussung → Energiehaushalt → Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit
Keine der drei Ebenen wirkt für sich allein, sie bedingen sich gegenseitig.
Wenn der Verstand die Gefühle verdrängt
Unsere heutige Welt ist sehr vom Verstand geprägt, Gefühle werden oft in den Hintergrund gedrängt. Der Begriff Emotionale Intelligenz wurde Ende der achtziger Jahre von amerikanischen Forschern geprägt. Im Modell der Multiplen Intelligenz wurde der analytischen Intelligenz die gefühlsmäßige Intelligenz entgegengestellt.
Emotionale Intelligenz umfasst mehrere Bereiche, die zusammen bestimmen, wie gut ein Mensch eigene und fremde Gefühle wahrnehmen, verstehen und regulieren kann, eine Fähigkeit, die neben der analytischen Intelligenz zunehmend als eigenständige Größe anerkannt wird.
Dein Selbstbild wurde nicht allein durch Worte geformt, sondern durch unzählige kleine, oft unbewusste Reaktionen deines Umfelds. Es lässt sich verändern, aber nur, wenn du dir seiner Herkunft bewusst wirst.
Ein wohlausgewogenes Verhältnis zwischen Denken, Fühlen und Handeln ist keine einmalige Leistung, sondern eine fortlaufende, ökonomische Aufgabe: Energie sparen, wo es geht, und dort investieren, wo es sich lohnt.
Welche der drei Ebenen, Denken, Fühlen oder Handeln, kommt bei dir aktuell zu kurz?
Wissenschaftlicher Hintergrund
- Cooley, C. H. (1902): Human Nature and the Social Order. Scribner’s. Begründet das Konzept des „Looking-Glass Self“: Das Selbstbild entsteht wesentlich aus der wahrgenommenen Reaktion anderer auf die eigene Person.
- Mead, G. H. (1934): Mind, Self, and Society. University of Chicago Press. Zeigt, wie sich das Selbst erst im sozialen Wechselspiel mit Bezugspersonen herausbildet, nicht als isolierte innere Größe.
- Mehrabian, A. (1971): Silent Messages. Wadsworth. Grundlegende Arbeit zur Bedeutung nonverbaler Signale wie Tonfall, Mimik und Gestik für die Wirkung einer Botschaft.
- Gardner, H. (1983): Frames of Mind: The Theory of Multiple Intelligences. Basic Books. Ursprung des Modells der Multiplen Intelligenz, das analytische und gefühlsmäßige Fähigkeiten als eigenständige Intelligenzformen unterscheidet.
- Salovey, P. & Mayer, J. D. (1990): Emotional Intelligence. Imagination, Cognition and Personality, 9(3). Erste wissenschaftliche Definition des Begriffs Emotionale Intelligenz Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre.
- Goleman, D. (1995): Emotional Intelligence: Why It Can Matter More Than IQ. Bantam Books. Popularisierte den Begriff der Emotionalen Intelligenz und ihre Bedeutung für Wohlbefinden und Erfolg im Alltag.
- Damasio, A. (1994): Descartes‘ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain. Putnam. Zeigt neurowissenschaftlich, dass Gefühle und Verstand kein Gegensatzpaar sind, sondern eng zusammenwirken.

