Kennst du diese Tage?

Kennst du diese Tage, an denen man gesundheitlich angeschlagen ist, der Kopf sich anfühlt wie in Watte gepackt – und weil irgendwie sowieso alle angespannt sind, gibt es für die kleinsten Kleinigkeiten einen auf den Deckel?

Diese Tage, an denen schon der Weckerklingelton zu laut ist. An denen das Frühstück nicht schmeckt und der Bildschirm zu hell scheint. Man schleppt sich durch den Alltag, versucht, halbwegs zu funktionieren, während innerlich alles nach einer Pause ruft.

Wenn die Nerven blank liegen

Es ist erstaunlich, wie schnell sich Anspannung überträgt. Ein kurzer Tonfall, ein schiefer Blick, eine unbedachte Bemerkung – und schon liegt etwas in der Luft. Niemand meint es böse. Und doch fühlt sich alles ein bisschen schärfer an, ein bisschen kantiger als sonst.

Gerade an solchen Tagen sind wir dünnhäutig. Wir hören Kritik, wo vielleicht nur eine Frage war. Wir spüren Ablehnung, wo eigentlich nur Stress sitzt. Und manchmal geben wir genau das weiter, was wir selbst gerade nicht gebrauchen können.

Watte im Kopf, Druck im Herzen

Dieses Gefühl von „nicht ganz da sein“ ist mehr als nur Müdigkeit. Es ist, als würde man durch den Tag gehen, ohne richtig bei sich zu sein. Gedanken brauchen länger, Entscheidungen fühlen sich schwer an, und selbst einfache Aufgaben kosten plötzlich ungewöhnlich viel Kraft.

Und dann kommt noch das Außen dazu: Termine, Erwartungen, To-do-Listen, die sich nicht dafür interessieren, wie es uns gerade geht. Also machen wir weiter, irgendwie, hauptsache durch.

Kleine Pausen, große Wirkung

Vielleicht sind es genau diese Tage, an denen wir uns selbst ein bisschen mehr Nachsicht schenken dürfen.

Ein tiefer Atemzug zwischen zwei Aufgaben. Ein Glas Wasser, das man bewusst trinkt. Ein kurzer Moment am Fenster, in dem man einfach nur nach draußen schaut, ohne etwas zu müssen.

Es sind keine großen Lösungen. Aber manchmal sind es genau diese kleinen Unterbrechungen, die den Druck ein Stück von den Schultern nehmen.

Ein bisschen mehr Milde

Was wäre, wenn wir an solchen Tagen nicht sofort in den Gegenangriff gehen? Wenn wir uns – und den anderen – zugestehen, dass gerade nicht alles rund läuft?

Vielleicht ist der Kollege nicht unfreundlich, sondern einfach erschöpft. Vielleicht ist die Büronachbarin nicht schwierig, sondern selbst unter Druck. Und vielleicht sind wir selbst nicht „zu empfindlich“, sondern einfach nur menschlich.

Am Ende des Tages

Diese Tage gehen vorbei. So wie sie gekommen sind. Manchmal langsam, manchmal schleichend, aber irgendwann ist der Kopf wieder klarer, der Körper leichter und der Ton in der Welt wieder ein kleines Stück weicher.

Bis dahin hilft vielleicht ein Gedanke:

Nicht jeder Schlag ist ein Angriff. Manchmal ist es einfach nur der Widerhall von zu viel Spannung in zu vielen Köpfen.

Und vielleicht – ganz vielleicht – beginnt Entspannung genau dort, wo wir uns entscheiden, einen Moment lang nicht zurückzuschlagen, sondern kurz stehenzubleiben und durchzuatmen.

Eine Bleistiftskizze als Illustration. Eine junge Frau mit lockigem Haar sitzt erschöpft an einem hölzernen Schreibtisch. Ihr Kopf ruht schwer auf ihren verschränkten Armen, die Augen sind müde geschlossen und ihr Ausdruck wirkt ausgelaugt. Auf dem Tisch stapeln sich links und rechts hohe Bücherberge; ein einzelner Bleistift, eine Kaffeetasse und zerknülltes Papier liegen verstreut um sie herum. Im Hintergrund erkennt man ein Bücherregal und ein Fenster, durch das eine Mondsichel am Nachthimmel zu sehen ist. Die Zeichnung besteht aus lockeren, sauberen Outlines ohne Schattierung auf hellem Papier.

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